Wenn sich Druckereien nicht mehr rechnen

LVZ-Druckerei in Stahmeln. Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist Showtime im Blätterwald. In immer kürzeren Abständen wechseln beim Magazin „Der Spiegel“ die Chefredakteure. Anderswo sitzen sie zwar länger im Chefsessel, haben aber immer weniger zu bestimmen. Und seit geraumer Weile steht die Ankündigung zur „taz“ im Raum, dass es die Zeitung ab 2022 nicht mehr in gedruckter Form geben soll. Was sogar Klaus Staeck ins Grübeln bringt, denn das geruhsame Lesen einer gedruckten Zeitung findet er wichtig.

Störer

Den ganzen Beitrag lesen und Kommentare schreiben?
Hier anmelden:


Sie haben noch keinen Zugang?

  • alle Artikel lesen
  • Kommentare schreiben
  • an Umfragen teilnehmen
  • an Verlosungen teilnehmen
  • andere Leser unterstützen
Jetzt Registrieren
Störer

3 Kommentare

  1. Ich glaube so langsam, das hat Methode. Das die Zeitungen runtergewirtschaftet werden sollen. Von allen Seiten. Mit zielgerichteten Informationen direkt rein in die Filterblasen der Bürger macht man einfacher Meinung und Stimmung. Niemand muss über irgendeinen Tellerrand gucken, was bei bedruckten Papier (oder vernünftig aufbereiteten Webseiten/Zeitungsportalen) passieren würde.

    Ich nehm mich da nicht aus, ich picke mir aus dem RSS-Feed auch nur die für mich interessanten Artikel raus und lese sie. In der LZ lese ich immerhin noch anderes, zumindest quer (“Wenn sie schonmal da ist…”)

    Aber zurück: Nebenbei schiebt man die Schuld noch auf die bösen News-Aggregatoren, die zwar Klickzahlen bringen und die Reichweite erhöhen, aber selbst keinen Cent überweisen. Und auf die Menschen, die eine LVZ nicht mehr vom Sachsen-Sonntag oder Leipziger Rundschau unterscheiden können (gleiches Niveau, ähnlich viele Anzeigen…)

    Das die Menschen die Zeitung nicht mehr lesen, eben WEIL auch nicht mehr drin steht, als dpa in einer schnellen Reaktion rausgehauen hat, WEIL keine Hintergründe beleuchtet werden, WEIL man vor lauter Werbung und PopUps den Artikel gar nicht mehr findet (in Web), daran denkt irgendwie keiner. Oder möchte nicht, siehe oben.

    Dabei wäre es doch so einfach, zumindest im Web sind A/B-Tests ein gängiges und etabliertes Mittel. Proband A bekommt einen seichten Artikel; Proband B einen “tieferen”. Proband C einen mit viel Werbung, D einem mit wenig. Solange man ein paar Tausend Besucher je Artikel hat, kann man Muster erkennen. Wie oft kommt Leser A zurück, wie oft B? Wie oft klickt A auf weitere Links, wie oft B, usw.
    Nach einem Monat weiß man doch, was beliebter ist. Womit man mehr verdient.

    Ja, es macht Arbeit, aber so viel nun auch nicht. Aber es kann sich niemand rausreden, er wüsste nicht, wie man Zielgruppen ermittelt oder “steuert”. Was mich wieder zu meiner These zurück führt…

  2. “Nach einem Monat weiß man doch, was beliebter ist. Womit man mehr verdient.”
    Hm…das mag stimmen, aber wenn man als Zeitung seine Inhalte nach wirtschaftlichkeit ausrichtet, sind es dann noch Inhalte? Ich nehme mal an, dass sich Skandale und Panikmache am besten verkaufen, aber macht eine Zeitung dann noch Sinn? Und ist der Journalist dann überhaupt noch einer oder doch eher nur noch ein Verkäufer?
    Ich persönlich finde es gerade im Moment wichtig, dass es Zeitungen gibt, die aus Überzeugung gemacht werden, ich möchte Journalisten, die Fakten suchen und keine Verkaufsargumente. Und ich denke, das wird sich auf Dauer auch eher durchsetzen als dieses inhaltslose Skandalgeschwätz, denn im Gegensatz zu recherchierten Hintergründen bekommt man aufgeplusterte Skandale doch im Internet an jeder Ecke umsonst. Wenn ich Geld für ein Produkt ausgebe will ich sicher sein, dass man bei der Herstellung auf Qualität geachtet hat und nicht auf eine möglichst grelle Verpackung. Mich gewinnt (und hält) man da eher mit Vertrauen. Und das hab ich wenn ich weiß, dass “meine” Zeitung ihre Texte nicht von Verkaufsargumenten diktieren lässt.
    So ganz nebenbei – ich lese diese Zeitung hier seit mittlerweile ca. 10 Jahren. Täglich. Womit wir wieder beim “halten mit Vertauen” wären. ;0)

  3. “aber wenn man als Zeitung seine Inhalte nach wirtschaftlichkeit ausrichtet, sind es dann noch Inhalte?”

    Der Grad ist sicher recht schmal. Eine Zeitung _muss_ Geld verdienen, siehe Aktion Freikäufer hier. Die Redakteure müssen ja irgendwie ihr Abendbrot kaufen können. usw. (Und wenn ich alte Benjamin Blümchen Folgen höre und wie freigiebig Karla mit den Redaktionsgeldern ist, haben sie das auch mal)

    Ob sie Gewinn erwirtschaften muss, ist eine andere Frage.

    Und “Verkaufsargumente” wurden bei Zeitungen schon immer gesucht. Den Spruch “Extrablatt, Extrablatt” habe ich aus diversen Filmen oder Comics (?) jetzt jedenfalls direkt im Ohr. Nur das Niveau ist gesunken. Früher Enthüllungsstory, jetzt Click-Bait. Letzteres schreibt sich von allein, aus Textkonserven, ersteres benötigt Zeit, Recherche, Geld. Ich weiß nicht, was zu erst da war. Geldmangel und damit fehlende (entlassene oder unmotivierte) Redakteure oder “Personalkostenoptimierung” zur Gewinnmaximierung und erst infolgedessen mangelnde Qualität und damit schwindende Leserschaft?

    Aber ich glaube, wir haben uns in einem Punkt falsch verstanden? Ich meinte nicht, dass ein Leser Themen wie NSU oder Lynchjustiz in Chemnitz zu sehen bekommt und ein anderer Leser mit den Eskapaden eines ehemaligen Radprofis abgespeist wird, sondern A bekommt einen oberflächlichen Artikel, B einen längeren mit Hintergründen, weiteren Quellen etc.

    Ganz ehrlich, wenn Quasi niemand von B den Artikel fertig liest, während A gebannt auf der Seite bleibt, würde ich mir als Zeitung auch keine Mühe mehr geben. Ich befürchte, das ist mittlerweile eingetreten. Warum soll ich z.B. ein Informanten-Netzwerk aufbauen, unterhalten, pflegen, wenn die Informationen daraus ja doch niemand liest? Für 5% meiner Leser? Die vielleicht eh schlau genug sind, sich das selbst zusammenzureimen? Und die restlichen 95% interessiert es bestenfalls nicht oder bilden daraus gleich eine große Weltverschwörung?

    Schwierige Zeiten.

Schreibe einen Kommentar

Störer

Weiterlesen auf l-iz.de

Grüne, Linke und SPD beantragen Erhöhung des Etats für die Freie Szene um 3,6 Millionen Euro

<span class="liz-leserclub">Für alle Leser</span> Am Donnerstag, 1. November, hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ihre Liste von Änderungsanträgen zum neuen Leipziger Doppelhaushalt 2019/2020 vorgestellt. Der soll wahrscheinlich im Januar 2019 beschlossen werden. Aber bislang steht vieles noch nicht drin, was der Stadtrat eigentlich längst beschlossen hat. Oder was überfällig ist für die wachsende Stadt. Dass OBM Burkhard Jung gerade jetzt von „Wachstumsschmerzen“ redet, kann Fraktionsvorsitzende Katharina Krefft so nicht stehen lassen.

Der richtige Ort: Das Pöge-Haus an der Hedwigstraße im Leipziger Osten. Foto: L-IZ.de

Leipziger Osten wird zum ersten Mal Schauplatz des Art Go East - Festivals

Die zum ersten Mal stattfindende Biennale für darstellende und bildende Kunst ArtGoEast ist in vielerlei Hinsichten ein ambitioniertes Projekt: ein Festival an neun Ausstellungsorten mit über 15 lokalen und internationalen Künstlern. Es versteht sich dabei als innovatives, kritisches und nachhaltiges Projekt, dass sich trotz einer in der Stadt herrschenden Atmosphäre des Kulturüberangebots und in einem von voranschreitender Gentrifizierung geplagtem Stadtteil behaupten möchte.

Geschäftsklimaindex für Leipzig im Herbst 2018. Grafik: IHK zu Leipzig

Leipziger Unternehmen haben immer stärker mit dem Sorgenthema Fachkräftemangel zu kämpfen

<span class="liz-leserclub">Für alle Leser</span> Vor zwei Wochen haben die sächsischen IHKs den Geschäftsklimaindex für ganz Sachsen veröffentlicht. Jetzt gibt es auch die Einzelauswertung für Leipzig. Und die zeigt, dass es im Grunde nur drei Branchen sind, in denen die Stimmung kräftig abgesackt ist. Und die Ursachen sind jedes Mal etwas andere.

Störer
Die Eisenbahnstraße im Leipziger Osten. Foto: Ralf Julke

Die Waffenverbotszone in der Eisenbahnstraße stigmatitisiert das ganze Quartier

<span class="liz-leserclub">Für alle Leser</span>Wenn Politiker versagen, werden sie zu Law&Order-Spezialisten. Dann werden irgendwo lauter Gefährder ausgemacht und lauter Schnapsideen ausgedacht, mit denen man öffentlich so tun kann, als wäre man ein prima Innenminister, der alles im Griff hat. So wie damals Sachsens Innenminister Markus Ulbig, als er Leipzigs OBM eine Waffenverbotszone in der Eisenbahnstraße aufschwatzte. Jetzt wehren sich die Engagierten aus der betroffenen Straße.

„Der zweite Anschlag“. Foto: DOK Leipzig

DOK Leipzig, Tag 4: Radikaler Fokus auf Feministinnen und Opfer von Rassismus

<span class="liz-leserclub">Für alle Leser</span>Der rechtsradikale Vormarsch in vielen Staaten hat sich in den vergangenen Jahren auf vielfältige Weise geäußert: zunehmender Rassismus und antifeministische Bestrebungen gehören dazu. Zwei Dokumentationen von Frauen widmen sich der Machokultur im politischen Italien und dem strukturellen Rassismus in Deutschland – und konzentrieren sich dabei radikal auf jene, die für das Gute kämpfen und unter den bestehenden Bedingungen leiden.

Störer
Jacek Joav Schäfer-Jasinski: Der Kleine Prinz kommt zurück. Foto: Ralf Julke

Der Kleine Prinz kehrt zurück oder Die Frage nach dem Glück, das wir nicht mehr sehen

<span class="liz-leserclub">Für alle Leser</span>Wer kennt ihn nicht, den kleinen Prinzen aus Antoine de Saint-Exupérys berühmten Buch „Le petit prince“ von 1943, das ich nun beinah ein Kinderbuch genannt hätte. Aber eigentlich ist es ja keins. Eigentlich ist es ein Traumbuch. Ein Buch darüber, wie wir gern wären, wenn wir aufmerksamer wären und mitfühlender, als wir sind. Wir – auf unserem kleinen Planeten. Ein Buch, das zu immer neuen anderen Büchern anregt.

Quelle: Baileo - Tanzpassion Leipzig

Kindertanztag bei Baileo - Tanzpassion Leipzig

Baileo - Tanzpassion Leipzig veranstaltet diesen Sonntag, am 04.11. einen Kindertanztag, zu dem Kinder und Teens zwischen 4 und 14 Jahren eingeladen sind, verschiedene Tanzstile von Ballett bis Hip Hop in sechs gratis Workshops auszuprobieren.

Zugang zum agra-Messepark. Foto: Ralf Julke

4. Jules-Fantasymarkt auf dem agra-Veranstaltungsgelände Leipzig

Wenn sich am 10. und 11. November die deutsche Fantasyszene im agra- Veranstaltungsgelände in Leipzig trifft, ist ein waschechter Drachen das Maskottchen. Mit glühenden Augen, dampfenden Nüstern und einem Maul, aus dem zwei Meter weit das Feuer lodert, erobert das Ungetüm sofort die Herzen der Kinder.

Störer
Bunt? Bunter. Nigerianische Baptistinnen in Yardenit. Foto: Jens-Uwe Jopp

Israel intensiv: Shukran und Toda oder „Come back“

<span class="liz-leserclub">Für alle Leser</span>Was bleibt nach einer 14-tägigen Reise ins „Heilige und gelobte Land?“ Zunächst erst einmal ein „Danke“ auf Arabisch und Hebräisch. Danke für die Zeit, die empfangene Herzlichkeit, das Bemühen um das Verstehen und die Geduld beim Verstehen lernen. War’s das? Und das unbeschreiblich leckere Essen natürlich. Da isst man in einem arabischen Restaurant von 20(!) verschiedenen Tellern, für jeden Einzelnen wohlgemerkt – aber auch in der palästinensischen Unterkunft werden zauberhafte Speisen aus Fisch, Fleisch und Gemüse stundenlang (teilweise unter der Erde) gekocht, geschmort, gebraten.

Regionalzug im Hauptbahnhof Leipzig. Foto: Ralf Julke

Verkehrsminister Martin Dulig hat die Nase voll und hebt eine neue Landesgesellschaft für den Nahverkehr in Sachsen aus der Taufe

<span class="liz-leserclub">Für alle Leser</span>Am Donnerstag, 1. November, hatte Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig die Nase voll. Seit 2014 versucht der SPD-Minister, endlich ein modernes Nahverkehrskonzept für den Freistaat auf die Beine zu stellen. Jetzt zieht er die Reißleine, nachdem jeder Vorstoß am provinziellen Kleinklein im Land verebbte. Jeder Landrat hat augenscheinlich völlig andere Vorstellungen von dem, was er sich wünscht.