Diabetes Typ-1: Prävention muss im Kleinkindalter einsetzen

Foto: Markus Distelrath

Diabetes gehört zu den am schnellsten sich verbreitenden Zivilisationskrankheiten. Besonders folgenreich für den Lebensalltag der Patienten ist dabei der Typ-1-Diabetes. Diese Autoimmunerkrankung ist nicht heil- und nur begrenzt therapierbar. Zudem scheint sie zu einem Großteil genetisch bedingt zu sein. Allerdings: Mit bestimmten Präventionsmaßnahmen, die bereits im Kleinkindalter eingesetzt werden, versuchen Forscher diese Erkrankung nun in den Griff zu bekommen.

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Unter den sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ sticht die Krankheit Diabetes besonders hervor. Lag die Prävalenzrate hier um 1960 herum noch bei 0,6 %, so ist sie heute bis auf 8 % gestiegen. Das bedeutet, dass in Deutschland mittlerweile etwa 8 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes leiden, wobei die Dunkelziffer mit ca. 2 Millionen sehr hoch ist. Dieser Diabetes-Typ macht 95 % der Krankheitsfälle aus und bleibt lange Zeit unbemerkt, da die symptomfreie Phase mehrere Jahre anhalten kann. Demgegenüber gibt es hierzulande derzeit rund 300.000 Typ-1-Diabetes Patienten. Dieser Diabetes-Typ nimmt seit Jahren vor allem bei Kleinkindern und Jugendlichen zu. Die Ursachen für diese Erkrankung sind noch relativ unklar, scheinen jedoch zu einem Großteil in der Genetik zu liegen.

Primärprävention bei Kleinkindern

Der Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Vereinfacht gesagt ist darunter zu verstehen, dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet. Konkret: Es produziert Antikörper, welche die Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreifen und damit die Insulinproduktion mit der Zeit vollständig lahmlegen. Dies ist höchst folgenreich: Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das für den Zuckerabbau im Körper zuständig ist. Wird dem Körper Nahrung zugeführt, kommt es in der Regel zu einer Insulinausschüttung und damit zu einem Abtransport des aus der aufgenommenen Nahrung extrahierten und sich im Blut befindenden Zuckers in die Muskelzellen. Wird also kein körpereigenes Insulin mehr hergestellt, kann auch der Blutzucker nicht mehr abgebaut werden. Es bedarf fortan einer intravenösen Insulinzuführung. Die Patienten sind ihr Leben lang darauf angewiesen, regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel mit einem Blutzuckermessgerät zu kontrollieren und stets eine Insulinspritze bei sich zu tragen.

Die Primärprävention zielt nun darauf ab, in das Immunsystem einzugreifen, noch bevor es sich gegen sich selbst wendet. Dies ist nur im Kleinkindalter möglich, denn die Antikörper, welche die Insulin produzierenden Betazellen angreifen, sind bei Kindern, die noch vor der Pubertät an Typ-1-Diabetes erkranken, schon in einem Alter von 1-2 Jahren nachweisbar.

Forschungen mit Kuhmilch und Insulin-Impfungen

So untersuchten beispielsweise finnische Forscher im Rahmen der Studie TRIGR (Trial to Reduce IDDM in the Genetically at Risk), inwieweit ein Weglassen von Kuhmilcheiweiß bei Kindern mit sehr hohem Diabetes-Typ-1 Risiko während der ersten 6 bis 8 Lebensmonate die Wahrscheinlichkeit eines Krankheitsausbruchs verhindert. Auf diese Idee kamen die Forscher, da sie im Tiermodell bereits positive Effekte feststellen konnten. In der Studie mit 207 untersuchten Kindern zeigte sich jedenfalls nach zwei Jahren Laufzeit, dass das Vorkommen der Antikörper sich halbiert hatte. Eine internationale Überprüfung der Ergebnisse steht noch aus.

In Deutschland findet demgegenüber zurzeit eine weitere Studie zur Primärprävention von Typ-1-Diabetes statt. Es handelt sich dabei um die sogenannte Pre-POINT-Studie von Frau Prof. Ziegler vom Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München. Die Probanden werden hier gleichsam mit Insulin geimpft, das täglich oral als Pulver aufgenommen wird. Auf diese Weise soll das Immunsystem beeinflusst und der Ausbruch einer Autoimmunreaktion verhindert werden. Erste Ergebnisse deuten auf eine positive Auswirkung der Impfungen hin.

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