Diabetes Typ-1: Prävention muss im Kleinkindalter einsetzen

Diabetes gehört zu den am schnellsten sich verbreitenden Zivilisationskrankheiten. Besonders folgenreich für den Lebensalltag der Patienten ist dabei der Typ-1-Diabetes. Diese Autoimmunerkrankung ist nicht heil- und nur begrenzt therapierbar. Zudem scheint sie zu einem Großteil genetisch bedingt zu sein. Allerdings: Mit bestimmten Präventionsmaßnahmen, die bereits im Kleinkindalter eingesetzt werden, versuchen Forscher diese Erkrankung nun in den Griff zu bekommen.

Print Friendly, PDF & Email

Unter den sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ sticht die Krankheit Diabetes besonders hervor. Lag die Prävalenzrate hier um 1960 herum noch bei 0,6 %, so ist sie heute bis auf 8 % gestiegen. Das bedeutet, dass in Deutschland mittlerweile etwa 8 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes leiden, wobei die Dunkelziffer mit ca. 2 Millionen sehr hoch ist. Dieser Diabetes-Typ macht 95 % der Krankheitsfälle aus und bleibt lange Zeit unbemerkt, da die symptomfreie Phase mehrere Jahre anhalten kann. Demgegenüber gibt es hierzulande derzeit rund 300.000 Typ-1-Diabetes Patienten. Dieser Diabetes-Typ nimmt seit Jahren vor allem bei Kleinkindern und Jugendlichen zu. Die Ursachen für diese Erkrankung sind noch relativ unklar, scheinen jedoch zu einem Großteil in der Genetik zu liegen.

Primärprävention bei Kleinkindern

Der Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Vereinfacht gesagt ist darunter zu verstehen, dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet. Konkret: Es produziert Antikörper, welche die Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreifen und damit die Insulinproduktion mit der Zeit vollständig lahmlegen. Dies ist höchst folgenreich: Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das für den Zuckerabbau im Körper zuständig ist. Wird dem Körper Nahrung zugeführt, kommt es in der Regel zu einer Insulinausschüttung und damit zu einem Abtransport des aus der aufgenommenen Nahrung extrahierten und sich im Blut befindenden Zuckers in die Muskelzellen. Wird also kein körpereigenes Insulin mehr hergestellt, kann auch der Blutzucker nicht mehr abgebaut werden. Es bedarf fortan einer intravenösen Insulinzuführung. Die Patienten sind ihr Leben lang darauf angewiesen, regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel mit einem Blutzuckermessgerät zu kontrollieren und stets eine Insulinspritze bei sich zu tragen.

Die Primärprävention zielt nun darauf ab, in das Immunsystem einzugreifen, noch bevor es sich gegen sich selbst wendet. Dies ist nur im Kleinkindalter möglich, denn die Antikörper, welche die Insulin produzierenden Betazellen angreifen, sind bei Kindern, die noch vor der Pubertät an Typ-1-Diabetes erkranken, schon in einem Alter von 1-2 Jahren nachweisbar.

Forschungen mit Kuhmilch und Insulin-Impfungen

So untersuchten beispielsweise finnische Forscher im Rahmen der Studie TRIGR (Trial to Reduce IDDM in the Genetically at Risk), inwieweit ein Weglassen von Kuhmilcheiweiß bei Kindern mit sehr hohem Diabetes-Typ-1 Risiko während der ersten 6 bis 8 Lebensmonate die Wahrscheinlichkeit eines Krankheitsausbruchs verhindert. Auf diese Idee kamen die Forscher, da sie im Tiermodell bereits positive Effekte feststellen konnten. In der Studie mit 207 untersuchten Kindern zeigte sich jedenfalls nach zwei Jahren Laufzeit, dass das Vorkommen der Antikörper sich halbiert hatte. Eine internationale Überprüfung der Ergebnisse steht noch aus.

In Deutschland findet demgegenüber zurzeit eine weitere Studie zur Primärprävention von Typ-1-Diabetes statt. Es handelt sich dabei um die sogenannte Pre-POINT-Studie von Frau Prof. Ziegler vom Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München. Die Probanden werden hier gleichsam mit Insulin geimpft, das täglich oral als Pulver aufgenommen wird. Auf diese Weise soll das Immunsystem beeinflusst und der Ausbruch einer Autoimmunreaktion verhindert werden. Erste Ergebnisse deuten auf eine positive Auswirkung der Impfungen hin.


Leserbrief
Print Friendly, PDF & Email

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

Weitere aktuelle Nachrichten auf l-iz.de

SPD, Grüne und Freibeuter fordern mehr Geld für den Ausbau des ÖPNV
Wahrscheinlich spürt es der OBM schon so langsam als sanften Druck im Nacken. Viel zu viele wichtige Konzepte sind in Leipzig viel zu lange aufgeschoben und ausgesessen worden. Im Oktober hat der Stadtrat einhellig das gültige Mobilitätskonzept für Leipzig beschlossen, wohl wissend, dass dafür das LVB-Netz deutlich gestärkt werden muss. Dazu aber braucht es mehr Plan
OBM gibt grünes Licht für Pilotprojekt, Grüne beantragen Finanzierung im Doppelhaushalt 2019 / 2020
Für alle LeserEs gibt Dinge in der Leipziger Verwaltung, die gehen tatsächlich erstaunlich schnell - so für Leipziger Verhältnisse. Gleich am Donnerstag in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters wurde beschlossen, was erst in der Oktobersitzung des Stadtrates zum Beschluss gebracht wurde: Den Bau von familiengerechten Wohnungen z
Grüne, Linke und SPD beantragen Erhöhung des Etats für die Freie Szene um 3,6 Millionen Euro
Für alle Leser Am Donnerstag, 1. November, hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ihre Liste von Änderungsanträgen zum neuen Leipziger Doppelhaushalt 2019/2020 vorgestellt. Der soll wahrscheinlich im Januar 2019 beschlossen werden. Aber bislang steht vieles noch nicht drin, was der Stadtrat eigentlich längst beschlossen hat. Ode
Leipziger Osten wird zum ersten Mal Schauplatz des Art Go East - Festivals
Die zum ersten Mal stattfindende Biennale für darstellende und bildende Kunst ArtGoEast ist in vielerlei Hinsichten ein ambitioniertes Projekt: ein Festival an neun Ausstellungsorten mit über 15 lokalen und internationalen Künstlern. Es versteht sich dabei als innovatives, kritisches und nachhaltiges Projekt, dass sich trotz einer in der Stadt herrschenden Atmosphäre d
Leipziger Unternehmen haben immer stärker mit dem Sorgenthema Fachkräftemangel zu kämpfen
Für alle Leser Vor zwei Wochen haben die sächsischen IHKs den Geschäftsklimaindex für ganz Sachsen veröffentlicht. Jetzt gibt es auch die Einzelauswertung für Leipzig. Und die zeigt, dass es im Grunde nur drei Branchen sind, in denen die Stimmung kräftig abgesackt ist. Und die Ursachen sind jedes Mal etwas andere.
Diesel-Skandal: Schadenersatz durch Eine-Für-Alle-Klage
Ab 1. November tritt das neue Gesetz für Musterverfahren in Kraft. Die erste Klage wird vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Kooperation mit dem ADAC gegen Volkswagen geführt.
Ist eine Operation bei Gallensteinen immer notwendig?
Zivilisationskrankheit Gallenblasensteine: Schätzungen zufolge ist fast jeder zweite Deutsche über 60 Jahren davon betroffen. Schmerzhafte Begleiterscheinungen wie krampfhafte Koliken im Oberbauch machen häufig ein medizinisches Handeln notwendig. Das kommende Gesundheitsforum des Diakonissenkrankenhauses Leipzig wird sich am Dienstag, 6. November 2018, eingehend mit di
Die Waffenverbotszone in der Eisenbahnstraße stigmatitisiert das ganze Quartier
Für alle LeserWenn Politiker versagen, werden sie zu Law&Order-Spezialisten. Dann werden irgendwo lauter Gefährder ausgemacht und lauter Schnapsideen ausgedacht, mit denen man öffentlich so tun kann, als wäre man ein prima Innenminister, der alles im Griff hat. So wie damals Sachsens Innenminister Markus Ulbig, als er Leipzigs OBM ein
Smart City: Ideen.Forum mit Ministerpräsident - Jetzt Fragen zur Mobilität von morgen an Ministerpräsident Michael Kretschmer stellen
Wieviel Zukunft steckt in der E-Mobilität? Werden Autos bald wie von Geisterhand und sicherer Fahren als Menschen? Wieviel Silicon Valley hat Sachsen zu bieten? Und was macht die vernetzte Stadt mit unserer Gesundheit? Am 14. November 2018 treten Politik, Wissenschaft, Unternehmen, Start Ups und Verbände mit denen in den Dialog, die die vernetzte Stadt von morgen betriff
Benefizkonzert mit Prof. Ludwig Güttler in der Thomaskirche Leipzig
Die Johann-Sebastian-Bach-Stiftung Leipzig lädt zu einem Benefizkonzert mit Ludwig Güttler und Volker Stegmann (Trompete und Corno da caccia) sowie Friedrich Kircheis (Orgel) ein. Es erklingen Werke von von Nicolaus Bruhns, Jean Baptiste Loeillet, Johann Gottfried Walther, Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach, Gottfried August Homilius, Felix Mendelssohn Barthol