Leipziger sehen keine Notwendigkeit für weitere Fußgängerzonen in der Innenstadt

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Das ist eine Frage, die in einem der drei versandten Fragebögen nach der Frage zu den häufig benutzten Einkaufsorten und dem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge auftaucht. Wobei wir ja gerade feststellen durften, dass die Leipziger 2017 häufiger zu Fuß ihre Einkäufe erledigten. Wohl weil endlich ein Supermarkt auch in Wohnortnähe eröffnet hat.

Die Innenstadt betrifft das noch nicht so stark, auch wenn der Anteil der Leipziger, die mit Fahrrad oder zu Fuß in die Innenstadt gelangen, wieder leicht gestiegen ist – von 33 auf 36 Prozent. Das Hauptverkehrsmittel zur Innenstadt bleiben die Straßenbahn bzw. Bus und Zug, auch wenn es einen leichten Rückgang von 48 auf 47 Prozent gab.

Aber bestätigt hat sich der Trend der letzten Jahre, dass eben seltener mit dem Auto in die City gefahren wird. Der Anteil hat sich von 24 Prozent im Jahr 2013 deutlich auf 17 Prozent reduziert. Der Rückgang setzte pünktlich mit Fertigstellung des City-Tunnels ein. Das heißt: Viele Leute, die einen weiteren Weg in die City haben, nutzen jetzt die S-Bahn und können auf das Auto verzichten.

Die Frage nach den Fußgängerzonen hätte man dann eigentlich eingebettet erwartet in die Fragen zu Radabstellmöglichkeiten und Radwegen durch die City. Das verblüfft schon, weil das alles miteinander zusammenhängt. Mit der Pkw-Nutzung sowieso, denn es sind ausschließlich die Pkw-Nutzer, die jedes Mal Remmidemmi machen, wenn ihnen die Zufahrt in die City erschwert wird.

Noch mehr Fußgängerzonen in der Innenstadt? Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2017
Noch mehr Fußgängerzonen in der Innenstadt? Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2017

Und indirekt kommen sie auch zu Wort, wenn sie sich zu 67 Prozent dagegen verwahren, noch mehr Straßen in der City zu Fußgängerzonen zu machen. Was natürlich verblüfft, wenn man weiß, dass es sowieso nur noch wenige Straßen sind, die überhaupt noch mit Pkw angesteuert werden können.

Was ja bekanntlich einige Bewohner rollender Trutzburgen trotzdem nicht davon abschreckt, auch noch im dichtesten Gewühl unbedingt einen Parkplatz möglichst nah am Ziel zu suchen, statt einfach in eins der vorhandenen Parkhäuser einzubiegen. Da freut man sich eigentlich, dass es an den Pollern für diese Faulpelze nicht weitergeht und ihnen normalerweise die Fußgängerzonen versperrt sind.

Deswegen ist es eigentlich auch schwierig, das abgefragte Meinungsbild der Leipziger als ambivalent zu bezeichnen, wie es die Auswertung tut.

Es wird ja nicht sichtbar, worauf die Verwaltung mit dieser Frage hinaus will. Denn die meisten Straßen der Innenstadt sind für private Pkw abgesperrt und abgepollert. Auch Straßen, die nicht explizit als Fußgängerzone ausgewiesen sind.

Wenn also insgesamt 61 Prozent der Befragten meinen, es brauche nicht noch mehr Fußgängerzonen in der Innenstadt, dann kann das auch damit zu tun haben, dass die wichtigsten Straßen für die vierrädrigen Faulpelze gesperrt sind. Andere noch nicht. Der heftigste Streitfall ist ja derzeit das Salzgässchen mit der Reichsstraße, wo allerlei Hotelgäste nur zu gern mit ihren PS-starken Autos vorfahren.

Aber dann muss man das Thema auch benennen. Etwa: Soll das Salzgässchen autofrei werden? Das wäre konkret.

Natürlich sagen Leipziger, die keinen Pkw besitzen, häufiger, dass noch ein paar mehr Fußgängerzonen ganz nett wären. Immerhin 45 Prozent. Regelmäßige Fahrradfahrer sagen es zu 41 Prozent.

Aber man sieht schon: Mit der generellen Fragestellung können die meisten nicht viel anfangen.

Auch deshalb nicht, weil die Stadt derzeit überhaupt keine neuen Ideen zu neuen Verkehrsberuhigungen in der Innenstadt vorgelegt hat. Wenn man über so eine Frage diskutiert, braucht es ja eigentlich konkrete Vorstellungen. Aber aus Sicht der Leipziger drängt augenscheinlich nichts, jetzt wieder neue Straßen nur für Fußgänger zuzulassen. Es ist sichtlich nicht das drängendste Thema in der Innenstadt derzeit. Übrigens genauso wenig wie die Abstellanlagen für Fahrräder. Was überrascht.

Aber es ist so: Gerade in den beiden Ortsteilen, in denen gerade viele Studierende mit dem Rad unterwegs sind und wo es in der jüngeren Vergangenheit an Abstellmöglichkeiten massiv fehlte, ist die Zufriedenheit mit den jetzt existierenden Anlagen mit über 55 Prozent im Stadtvergleich besonders hoch – wobei ich an dieser Stelle gleich einschränken möchte: Das ist die Meinung der Ortsteilbewohner, nicht die jener Leipziger, die mit dem Rad in den Ortsteil fahren müssen.

Diese Auswertung fehlt leider.

Und das betrifft eben leider auch die Frage nach dem Angebot an Radverkehrsanlagen, wo eben auch nur die Ortsteilbewohner bewerten, wie sie die Lage im Ortsteil sehen. Das ist aber nicht die Sicht der vielen Leipziger, die zwangsläufig durch die City müssen, wenn sie von einer Seite der Stadt auf die andere wollen. Was nutzt ihnen die Einschätzung der City-Bewohner, dass alles prima ist, wenn rund um den Ring lauter ungeklärte Übergänge für Konflikte sorgen und die City selbst tagsüber gar nicht mit Rad durchquert werden darf?

Was ja nicht die Notwendigkeit einer weiteren Fußgängerzone ergibt, sondern die eines ordentlichen Radwegenetzes.

Was uns dann flott zu dem Umweltthemen bringt. Im nächsten Teil.

Leipziger Zeitung Nr. 60: Wer etwas erreichen will, braucht Geduld und den Atem eines Marathonläufers

https://new.l-iz.debildung/medien/2018/10/Leipziger-Zeitung-Nr-60-Wer-etwas-erreichen-will-braucht-Geduld-und-den-Atem-eine-Marathonlaeufers-239317

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